Dr. Andreas Meyer-Falcke, Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration NRW (MGFFI) [Foto Hermine Oberück]
Laudatio Dr. Andreas Meyer-Falcke, Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen
„Liebe Mädchen und Jungen,
sehr geehrte Damen und Herren!
Vielen Dank, dass ich anlässlich der Verleihung des Initiativenpreises des Paritätischen Jugendwerks hier einige Worte an Sie richten darf. Und vor allem natürlich an euch, liebe aktiven Jugendlichen, die ihr im Mittelpunkt dieser Veranstaltung steht. Doch zuvor überbringe ich Ihnen und euch herzliche Grüße und allen Preisträgern und Preisträgerinnen Glückwünsche von Armin Laschet, dem Jugendminister unseres Landes Nordrhein-Westfalen. Im Programm ist aus dem Ministerium Herr Professor Klaus Schäfer angekündigt, aber er ist heute leider verhindert und hat mich gebeten, ihn zu vertreten. So traurig er ist, heute nicht hier sein zu können - denn er weiß, was ihm hier geboten wird! -, so gerne bin ich für ihn eingesprungen und nach Bielefeld gekommen, ins BeLL Z., an den Ort des ersten Preisträgers.
Liebe Mädchen und Jungen, das, was die diesjährigen Preisträger und Preisträgerinnen bisher schon präsentiert haben, fand ich sehr beeindruckend, und ich bin noch immer ein bisschen atemlos vom Miterleben. Gut, dass das Programm erahnen lässt, dass nachher noch mehr von euch kommt: Ich freue mich auf eure Darbietungen!
Aber eines muss ich vorneweg noch loswerden. Als ich die Überschrift zu eurer Einladung gelesen habe, bin ich richtig zusammen gezuckt: Mach Berichte. Warum ich gezuckt habe? Na, "Mach BERICHTE!" ist so ziemlich die "schlimmste" Aufforderung, die einen Beamten ereilen kann: da sitzt man stundenlang an seinem Schreibtisch und macht seinen Bericht: Was habe ich getan? Was hat das gekostet? Wer war dabei? usw. usw. … Dann habe ich es aber kapiert, ich betone es nur falsch: "MACHBerichte!" sind etwas ganz Anderes: da beschreibt ihr, was ihr macht, da passiert etwas, da kommt was 'raus, das ist Spannung pur.
1. Reihe v.l.n.r.: Dr. Volker Bandelow (PJW-Vorsitzender), Ulrike Werthmanns-Reppekus (PJW), Horst Grube (Bielefelder Bürgermeister) [Foto Hermine Oberück]
Und das Tolle: Ihr habt dabei etwas gelernt, was ihr in eurem ganzen späteren Leben immer wieder brauchen könnt. Anders als so manches Mal in der Schule stand dabei das Lernen gar nicht so sehr im Vordergrund. Deshalb habt ihr es vielleicht noch gar nicht richtig gemerkt, aber ihr habt gelernt, wie viel Spaß es macht und wie viel einfacher es ist, wenn man zusammen an einem gemeinsamen Ziel arbeitet. Und das ganz unabhängig davon, ob Junge oder Mädchen, Deutscher oder Ausländer, Christ oder Moslem, ganz gesund oder auch nicht, ob Fotografieren, Tanzen, Schauspielern, Film drehen oder oder…: Alle haben zusammen gearbeitet, jede und jeder so gut er und sie konnte. Und alle haben damit Erfolg gehabt!
Dass man möglichst früh erlebt, was man selber besonders gut kann, wozu man fähig ist, wird immer wichtiger: Jugendliche - also ihr! - sind mehr als je zuvor gefordert, sich ihren ganz spezifischen Zukunftsweg zu bauen. Von euch wird zudem mehr Flexibilität, mehr Veränderungsbereitschaft und auch mehr Mobilität verlangt, als das vor zehn, fünfzehn Jahren der Fall war. Ihr erlebt, dass die Erwartungen an euch gestiegen sind, ihr müsst selbst initiativ werden und könnt euch nicht mehr auf vorgegebene Muster verlassen.
Ich wünsche jedem, dass das, was ich jetzt sage, für ihn und sie nicht zutrifft: aber gerade in einer so schnelllebigen Zeit wie der unseren ist es bedauerlicherweise eben doch nicht allen vergönnt, Halt in einer Familie zu finden. Und deshalb ist es von ganz besonderer Bedeutung, wenn auch diese Kinder und Jungendlichen eine Gemeinschaft erleben können, die es ihnen ermöglicht, ihre eigenen Stärken zu entfalten und sich nach Kräften für sie zu engagieren. Und auch in diesem Fall sind die Initiativgruppen Treffpunkte und zugleich auch Orte einer solchen Gemeinsamkeit und Bildung, an denen junge Menschen Unterstützung und Hilfe erfahren. Sie alle bieten ihnen Lern- und Erfahrungsfelder für ihren Lebensweg.
Wie viele erkannt haben, wie wichtig es ist, selbst aktiv zu werden, selber die Initiative zu ergreifen, findet seinen Ausdruck unter anderem darin, wie viele Initiativgruppen in den letzten 30 Jahren entstanden sind – auch in der Kinder- und Jugendarbeit. Solche Initiativgruppen sind selbst organisierte Zusammenschlüsse junger Menschen. Sie unterstützen Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu selbstständigen, zu sozial engagierten kritischen Menschen. Sie bieten jungen Menschen pädagogische Angebote da, wo sie zu Hause sind, in ihrem Wohnumfeld, sie machen insbesondere Angebote der Freizeit, Bildung und Beratung.
Seit 1999 fördert das Land Nordrhein-Westfalen diese Gruppen direkt unter dem Namen „Initiativgruppenförderung“ aus dem Kinder- und Jugendförderplan. Allein im PJW sind mittlerweile rund 230 Organisationen der Kinder-, Jugend- und Kulturarbeit zusammen geschlossen. Und auch die Projektorientierung im Kinder- und Jugendförderplan kommt den Initiativgruppen zu Gute. So schien es dem Paritätischen Jugendwerk an der Zeit, dieser Förderpraxis den diesjährigen Initiativenpreis zu widmen.
Weder ein bestimmtes Thema noch eine spezielle Zielgruppe oder ein aktuelles Problem standen im Fokus des Wettbewerbes. Ausgezeichnet wurden diesmal vielmehr laufende oder abgeschlossene Projekte von Initiativen, die insbesondere durch die Initiativgruppenförderung des Kinder- und Jugendförderplans oder durch die Bildungsmittel des Paritätischen Jugendwerks ermöglicht wurden. Das Ziel, damit auch nach außen zu dokumentieren, wie die Fördergelder verwendet werden, wie diese Mittel bei den Kindern und Jugendlichen ankommen, ist sicher erreicht. Das konnte man schon an den bisherigen - kurzen - Eindrücken eindrucksvoll erkennen.
In der Umsetzung werden mehrere Facetten deutlich:
[Foto Hermine Oberück]
- Zu den Fördermitteln des Landes kommen eigene Mittel des Trägers und ein hohes ehrenamtliches Engagement hinzu, um mit Kindern und Jugendlichen Projekte anzustoßen.
- Eine Bemerkung zum Thema ehrenamtliches Engagement von jungen Menschen: sie tun dies natürlich für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung. Mit Blick auf ihre berufliche Orientierung erwerben sie das, was jedes Unternehmen heute ganz selbstverständlich als Schlüsselqualifikation von seinem Personal erwartet. Insbesondere unsere Gesellschaft aber profitiert, wenn sich ihre Mitglieder für sie stark machen. Und junge Menschen, die dies freiwillig tun, leisten damit einen ganz besonderen Dienst.
- Die Projekte, das ist bei den Preisträgerinnen und Preisträgern gut zu beobachten, sind Projekte der Kinder und Jugendlichen. Sie bringen sich mit ganzem Herzen ein, setzen ihre Themen und identifizieren sich mit ihrer Sache. Das bedeutet ein hohes Maß an Mitwirkung und Selbstbestimmung.
- Bei diesem Preis wird besonders deutlich: Mädchen und junge Frauen haben ein großes Gewicht. Ihre Themen spielen eine große Rolle. Sie führen kein Schattendasein in diesem Feld der Jugendarbeit.
- Selbstannahme und Gemeinschaftsfähigkeit sind, laut Ausschreibung dieses Initiativenpreises, Ziele, denen Kinder und Jugendliche durch die pädagogische Arbeit näher kommen sollen. Wie dies konkret geschehen kann und geschieht, kann an den preisgekrönten Beispielen gut beobachtet werden.
- Die Selbstverständlichkeit, mit der Kinder und Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte Teil des Projektes, Teil des pädagogischen Prozesses sind, ist erfrischend. Ich wünsche der weiteren Entwicklung in der Kinder- und Jugendarbeit einen solchen Pragmatismus und eine solche Unaufgeregtheit im Zusammenleben.
Aufgrund der Nähe der Initiativgruppen zu euch Kindern und Jugendlichen, der guten Kenntnis des Umfeldes, in dem ihr wohnt und lebt - ihrer Sozialraumkenntnis, der Genderorientierung und der Interkulturalität, wie die Erwachsenen "vornehm" dazu sagen - , sind die Fördergelder gut eingesetzt: sie kommen direkt bei Kindern und Jugendlichen an.
Dr. Andreas Meyer-Falcke, Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration NRW (MGFFI) [Foto Hermine Oberück]
In Nordrhein-Westfalen herrscht ein gesellschaftliches Klima, in dem das Engagement für die jungen Menschen sehr zahlreich gedeiht. Dass das so ist, daran hat nicht zuletzt die bunte Landschaft der Initiativgruppen einen hohen Anteil. Davon konnte ich mich bei meinen Besuchen in der "Landschaft" und auch hier und heute überzeugen. Und alle zwei Jahre sehen wir im Initiativenpreis – und dieser ist bereits der siebte –, wie dieses Engagement weiter wächst, wie vielfältig und intensiv es ist. Deswegen geht unser Dank auch an das Paritätische Jugendwerk NRW, das den Initiativenpreis geschaffen hat, und ihn seither alle 2 Jahre verleiht.
Übrigens: Euer Jugendwerk feiert im kommenden Jahr sein 25jähriges Bestehen und mein Chef, Minister Laschet, hat sein Kommen zur Festveranstaltung am 4. April 2008 bereits zugesagt.
Ich gratuliere allen Preisträgern nochmals sehr herzlich und hoffe, dass ihre Auszeichnung zugleich Ansporn für andere ist, es ihnen gleich zu tun - oder, wie es der Titel der heutigen Veranstaltung sagt - zu MACHEN!“





